Arbeitswelt der Zukunft

New Work Prozesse in Schulen

New Work – die Begrifflichkeit ist mittlerweile jedem geläufig, doch oftmals bleibt es ein reines Buzzword. Unsere Schülerpraktikantin Maribel (14) erklärt uns, wie New Work Prozesse an ihrer Schule entstehen.

Eins steht fest – New Work lässt sich nicht in zwei Sätzen definieren. Dazu ist die Thematik viel zu komplex, zu vielschichtig und zu individuell. Der amerikanische Philosoph Frithjof Bergmann entwickelte den Begriff in den 1980er Jahren und rückte die „Arbeit, die wir wirklich wollen“ in den Vordergrund. Auf dieser Basis hat sich New Work umfangreich weiterentwickelt und erscheint heutzutage in den schillerndsten Facetten und Ausprägungen.

Viele Unternehmen beschäftigen sich mit diversen Formen von New Work und haben eine lange Agenda mit Themen wie Agilität und Flexibilität. In der Praxis ist das leider noch oft Zukunftsmusik. Deshalb interessieren wir uns viel mehr dafür, wo New Work bereits gelebt wird und was es konkret bedeutet. Im Gespräch mit unserer Schülerpraktikantin Maribel (14) stellten wir fest, dass New Work Prozesse an ihrer Schule bereits im Unterricht genutzt wird. Super spannend! Da haben wir gleich mal genauer nachgefragt!

Unsere Praktikantin Maribel, 14 Jahre alt und Schülerin, hat uns für eine Woche in der Digitalwerkstatt unterstützt. 

Zitat von Maribel

„Ich habe mir Gedanken über verschiedene Lernmethoden gemacht, die produktiv, aber gleichzeitig auch unkompliziert sind. Mir ist sofort eine kreative Methode eingefallen, die meine Klasse im Biologieunterricht angewendet hat, da die normale Lernmethode „Lehrer/-in steht vorne an der Tafel, Schüler sitzen auf ihren Stühlen und hören zu“, nicht mit der Persönlichkeit der Lehrerin zusammen gepasst hat. Wir hatten so Probleme den Stoff aufzunehmen und dementsprechend war unser Notendurchschnitt ziemlich schlecht. Unsere Lehrerin hat dies natürlich nicht sehr glücklich gemacht und sie hat sich eine Methode überlegt, bei der es im Prinzip einfach darum geht, dass Schüler Schüler lehren – die Expertenmethode.“

Digitalkompetenz

Maribel erzählte uns, dass an ihrer Schule ein großer Fokus auf Digitalisierung und neue Lernmethoden gesetzt wird. Ihre Design-Challenge während ihrer Zeit in der Digitalwerkstatt war es, Ideen für Digitalkompetenz an Schulen zu erarbeiten. Sie entwickelte eigenständig eine Customer Journey und erklärte uns, wie Tablets für Schüler*Innen sinnvoll genutzt werden könnten. Dahinter steckt viel Zukunftspotenzial! Die von Maribel erstellte Instagram Story zeigt ein paar Eindrücke.

Als Beispiel für neue Lernmethoden, die an ihrer Schule bereits genutzt werden, nannte sie die Expertenmethode (auch Gruppenmixmethode oder Gruppenpuzzle genannt). Ihre Biologielehrerin setzt diese im Unterricht erfolgreich ein. Der klassische Frontalunterricht hatte in Maribels Klasse nicht mehr die gewünschten Erfolge erzielt und die Schüler ließen sich nur schwer für das Thema Blut begeistern.

Expertenmethode

Mit der Expertenmethode lernen Schüler und Schülerinnen, wie sie sich Wissen eigenständig aneignen können. Der Lehrkraft wird zum Begleiter des Lernprozesses und nicht zum bloßen Wissensgeber. Dabei läuft die Methode folgendermaßen ab:

In der ersten Phase werden Gruppen mit bis zu fünf Schüler*Innen gebildet, die einen oder mehrere Arbeitsaufträge zugeteilt bekommen. Das kann beispielsweise die Erarbeitung eines Textes oder Fachthemas sein. In dieser Studierphase eignen sich die Jugendlichen Wissen zu dem Themengebiet an und werden zu Spezialisten.
Die zweite Arbeitsphase beginnt mit einer Durchmischung der bisherigen Gruppenkonstellationen. In jeder Gruppe muss dabei mindestens einen Experten aus der vorherigen Phase vertreten sein. Nun geht es an die eigentliche Lernphase. Die Schüler*Innen erklären dem Rest der Gruppe, was sie aus der vorherigen Phase erlernen konnten. Alle Gruppenmitglieder sind am Ende auf demselben Wissensstand. Gegebenenfalls kann das neu erlernte Wissen auch vor der gesamten Klasse präsentiert werden.

Warum wir diese Methode so toll finden

Unsere Schülerpraktikantin Maribel findet diese Art zu Lernen super unkompliziert und produktiv. Alle Schüler*Innen waren mit viel Eifer bei der Sache und fühlten sich ernst genommen. Die Methode fördert zudem das Gemeinschaftsgefühl und bringt Abwechslung zum klassischen Frontalunterricht. Zudem wird die themenzentrierte Kommunikation zwischen den Jugendlichen gefördert. Gruppenmitglieder, die nicht richtig mitmachen wollen, gefährden das Ergebnis der gesamten Gruppe. So entsteht ein Anreiz für jeden Einzelnen, sein bestmögliches zu geben. Und die Noten? Maribel erzählte uns, dass nach Einführung der Expertenmethode der Notendurchschnitt bei der nächsten Biologieaufgabe von 3,45 auf 2,33 verbessert wurde!

Unsere Learnings

Wir sind begeistert, dass in der Schule neue Lernmethoden eingesetzt werden und die Jugendlichen auf eigenständiges Lernen, Flexibilität und „Umdenken“ sensibilisiert werden. Damit werden sie auf jeden Fall fit für unsere heutige Arbeitswelt und die Arbeitswelt der Zukunft gemacht!

Was an Maribels Schule so gut funktioniert, kann durchaus auch für Teamworkshops genutzt werden. Wichtiges Wissen wird so in Kürze auf den Punkt gebracht und die Kommunikationsnetzwerke zwischen den Teilnehmenden werden gestärkt.

Wenn du die Thematik genauso spannend findest wie wir, dann gibt es hier noch weiteren Lesestoff!

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