Design Thinking

Was ist das überhaupt?

Was ist Design Thinking?

Agil in Zeiten des Wandels

Unternehmen sollen sich heute durch Flexibilität und Nutzerzentrierung auszeichnen:  Design Thinking zahlt auf genau diesen Anspruch ein. Wie können auf Basis von reellen Erkenntnissen Lösungen entwickelt werden, die echte Bedürfnisse befriedigen?

Entscheidender Erfolgsfaktor? Stellen Sie das in den Vordergrund, um was es vorrangig immer geht: den Menschen. Nach Tim Brown, CEO der Innovationsberatung IDEO, ist Design Thinking ein „Ansatz, der den Menschen ins Zentrum stellt und sich aus der Werkzeugkiste der Designer bedient, um die Bedürfnisse der Leute, die Möglichkeiten der Technologie und die Anforderungen für geschäftlichen Erfolg zu integrieren.”

Per se nichts Neues, nur, dass sich die Vorgehensweise nun auch im Umfeld von Geschäftsprozessen und neuen Produkten etabliert hat, da sie Kreativität mit einem strukturierten Vorgehen verbindet.

Zuhören, lernen, ausprobieren

Fast wichtigster Prozess ist dabei das intensive Beschäftigen mit den zugrunde liegenden Tatsachen und beteiligten Personen. Es geht um Zuhören, Lernen & Ausprobieren. Darum, herauszufinden, was nicht explizit erkennbar ist. Innovationen liegen meist am Rand versteckt, sie sind nicht auf den ersten Blick erkennbar.

#Lieblingszitat

Design Thinking is the glue between all disciplines

Komplexe Probleme lösen,

gemeinsam nutzerzentrierte Innovationen schaffen

und ganzheitliche Lösungen schaffen…

Das sind die Zielsetzungen von Design Thinking.

Wichtige Regeln, die dabei beachtet werden sollten:

Bestärken Sie wilde Ideen!

Bauen Sie auf den Gedanken anderer auf!

Bleiben Sie beim Thema!

Haben Sie Spaß!

Zurück zu den Fakten:

beim Design Thinking unterscheiden Sie zwischen „Problemraum“ („Wünschbarkeit“) und „Lösungsraum“ („Machbarkeit/Umsetzbarkeit“). Innerhalb derer kommen unterschiedliche Werkzeuge wie Personas, Empathy Map, Interviews, Journey Maps, Stakeholder Analyse und weitere zum Einsatz. Zudem unterscheiden Sie zwei verschiedene Denkzustände, da es entweder darum geht, möglichst viele Erkenntnisse zu gewinnen bzw. neue Ideen zu entwickeln, also zu „divergieren“. Oder aber, wir fokussieren uns auf das Wesentliche und beschränken uns auf einzelne Bedürfnisse, Funktionalitäten oder potenzielle Lösungen, d.h. wir „konvergieren“.

Lassen Sie uns kurz die einzelnen Phasen durchleuchten:

Verstehen

Wichtigstes Grundprinzip: werden Sie Expert*in des zu behandelnden Themas:

  • Um was geht es konkret?
  • Wer ist der Nutzer?
  • Wen brauchen Sie im Team?

Je diverser ein Team besetzt ist, desto unterschiedlicher sind die Sichtweisen auf bestimmte Abläufe. Am Ende bereichert diese Diversität den Prozess und auch das Ergebnis. Schaffen Sie ein gemeinsames Grundverständnis als Ausgangsbasis für das Projekt.

Beobachten

Hier geht es darum, das Handlungsfeld und die Bedürfnisse der Nutzer*innen besser zu verstehen, um Erkenntnisse zu gewinnen und daraus einen Standpunkt zu definieren. Dazu gehören

  • Quantitative Datenanalyse (z.B. Desk Research, Marktanalyse, etc.)
  • Qualitative Datenanalyse (z.B. Interviews, Shadowing, Cultural Probes, etc.)
  • Dokumentation in Form von Boards, Mindmaps, Fotos, etc.

Als Ergebnis erhalten Sie alle wichtigen Informationen, um eine Persona zu erstellen und Empathie für den*die Nutzer*in aufzubauen.

Point-of-View

Nun kommt es darauf an, die gesammelten Erkenntnisse zu interpretieren, zu gewichten und die wichtigsten Kernerkenntnisse („Golden Nuggets“) herauszuziehen. Am besten gelingt dies mit dem Storytelling-Prinzip: erzählen Sie sich im Team die erlebten Geschichten, Reaktionen und Emotionen, um einen archetypischen Charakter (Persona) daraus zu entwickeln. Aufgrund dessen findet ein sog. „Reframing“ der Ausgangsfragestellung statt. Sie definieren je nach Komplexität einen oder mehrere Standpunkte, auf dessen Basis die Fragestellung für die Ideenfindung formuliert wird („How might we….“ bzw. „Wie können wir….“).

Ideen sammeln

In der Phase der Ideenfindung sind alle Kreativitätstechniken gewünscht, die dazu beitragen, uneingeschränkt die wildesten und verrücktesten Ideen zu entwickeln. Nutzen Sie beispielweise Analogien: gibt es Beispiele aus komplett anderen Branchen, auf denen man aufsetzen könnte? Brainstorming, clustern und durch das Team voten lassen: welche Ideen sollen umgesetzt werden? Diese fließen in ein Ideenraster, in dem die Ideen nach Machbarkeit bewertet werden. Arbeitet mit Timeboxing – häufig potenziert sich dabei das Kreativitätspotenzial.

Prototyping

Machen Sie Ihre Idee/n früh genug greifbar und testet diese mit potenziellen Nutzer*innen. Wird die Idee oder die Funktionalität verstanden? So entsteht wichtiges Feedback für die Verbesserung der Ideen und Prototypen. Der Phantasie für die Umsetzung der Prototypen sind keine Grenzen gesetzt: Sketching, Concept Maps, Storyboards oder Design the Box sind nur eine kleine Auswahl an Möglichkeiten. Genau hier fängt die Phase an, in der Knetgummi, Lego und anderes Material wieder an Bedeutung gewinnt! Entwickeln Sie nun Ihren Testplan, um die Idee auf Herz und Nieren zu testen.

Testen

Egal ob Testlabor und Feldforschung: beziehen Sie Ihre Nutzer*innen mit ein! Das können Kolleg*innen sein, aber wirklich interessant wird es mit echten potenziellen Nutzer*innen. Neben klassischen Tests gibt es mittlerweile hervorragende digitale Möglichkeiten zum Testen, um Prototypen und Funktionalitäten zum Einsatz zu bringen. Auch Experience Prototyping, Desktop Walkthrough und Rollenspiele eignen sich hervorragend, um qualitatives Feedback zu erwirken. Sie sollten so lange aus den Ideen lernen und diese weiterentwickeln, bis es wirklich die Richtige ist. Ansonsten: verwerfen oder verändern. Der Zauberspruch lautet: Kill your darlings! Aktualisiert auf Basis Ihrer Testerkenntnisse die Persona und verändert ggf. die Fragestellung. Generell hilft das Reflektieren z.B. in Form von Retrospektiven, neue Möglichkeiten zu entdecken, die evtl. zu besseren Lösungen führen oder den Prozess als Ganzes verbessern.

Warum Design Thinking mehr Mindset statt Methode ist

Don’t think out of the box – think of what you can do WITH the box!

Ein hipper Design-Thinking-Workshop schafft noch lange keine Veränderung geschweige denn Transformation. Denn das Organisationssystem, die Prozesse und Strukturen, die Unternehmenskultur und auch die Routinen bleiben davon größtenteils unberührt. Flexibles Denken, selbstbewusstes Entscheiden und schnelles Handeln sind gefordert – von Fach- und Führungskräften mehr denn je. Überlegen Sie im Vorfeld, welche Zielsetzung Sie mit Ihrem Team/Ihrer Organisation/Ihrem Unternehmen verfolgen. Binden Sie Ihre Personalabteilung mit ein: entwickeln Sie diese zum Schlüsselpartner und zum Pionier unternehmerischer Leistungskultur. Dazu gehört in erster Linie ein positives, aufgeschlossenes Mindset und eine innere Einstellung, die ‚ja‘ sagt zu dieser neuen Vielschichtigkeit und es gleichzeitig ermöglicht, damit effektiv umzugehen. Schaffen Sie gemeinsam positive Erlebnisse und gute Gefühle – sowohl für Ihre Kund*innen als auch für Ihre Mitarbeiter*innen und vor allem für Sie selbst. Wenn das klar ist, ist es nicht mehr eine Frage der Methode, sondern des TUNs!

Design Thinking konzentriert sich auf Empathie und Kreativität und stellt die Probleme sowie die Problemlösungssuche der Nutzer*innen/ des Kund*innen in den Mittelpunkt. Es ist Prozess und Mindset gleichermaßen und hilft, eine lebendige Innovationskultur im Unternehmen zu schaffen.

Wir als Digitalwerkstatt nutzen die Prinzipien des Design Thinking und steuern unser Angebot und unsere Zusammenarbeit danach aus: Wir entwickeln Lösungen aus der Perspektive der Menschen, die diese in Anspruch nehmen und bereitstellen. Wir beziehen alle aktiven Stakeholder aktiv mit ein, wir betrachten das System als Ganzes als auch seine einzelnen Komponenten im Detail, machen abstraktes sichtbar und visuell transparent und arbeiten interdisziplinär.

Sie wollen Nägel mit Köpfen machen? Das trifft sich super – Design Thinking funktioniert auch wunderbar online:

Wenn Sie mehr zum Thema Agile Methoden und Design Thinking lesen wollen, dann finden Sie im aktuellen SQ Magazin einen Beitrag von Annika Leopold zum Thema Design Thinking und agile Methoden: SQ Magazin Ausgabe 51 – Juni 2019