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Online Handel im digitalen Wandel – Amazon Flex startet in Berlin

In den USA setzt der E-Commerce Riese Amazon bereits seit 2015 Privatleute für Lieferdienste ein. Nun soll das Konzept auch auf Deutschland ausgeweitet werden. Berlin soll dabei den Anfang machen, andere Standorte sind bereits in Planung. Was genau bedeutet die Auslagerung von Logistikdienstleistungen an private Personen?

Uber als Vorbild für smarte Geschäftsmodelle

Das Konzept von Amazon Flex ist dabei an die Idee des amerikanischen Dienstleistungsunternehmens Uber angelehnt: dabei werden über eine App Fahrgäste an Privatleute mit Auto vermittelt, die private Taxifahrten anbieten.

Amazon Flex funktioniert ähnlich. Die privaten Boten bekommen per App Zustellaufträge zugeteilt und können sich dann frei für vierstündige Dienstschichten an 6 Tagen in der Woche eintragen. Wer sich als Fahrer bewirbt, muss über einen gültigen Führerschein, ein eigenes Auto sowie ein Android-Smartphone verfügen. Außerdem wird ein Background-Check durchgeführt, sodass Amazon den Bewerber als tauglich oder eben nicht einstufen kann.

Das Versprechen von Amazon: die Fahrer erhalten bei rechtzeitiger Auslieferung der Pakete einen Stundenlohn von bis zu 16 Euro und können sich ihre Arbeitszeiten flexibel einteilen.

Personalmangel bei Kurierfahrern durch Flex-Fahrer lösen?

Nicht nur zur Weihnachtszeit herrscht Personalmangel bei Logistikdienstleistern. Der Druck, dass Pakete rechtzeitig ausgeliefert werden müssen, steigt im Zeitalter der Digitalisierung stetig. Kunden sind mobil vernetzt, bestellen zu jeder Zeit an jedem Ort bei Online Händlern und erwarten eine schnelle und reibungslose Lieferung. Daher wirkt das Konzept von Amazon zunächst als Win-Win Situation: der E-Commerce Riese kann auf externes Personal zugreifen und spart Kosten für Fahrzeuge und Sprit ein. Privatleute haben einen lukrativen Nebenverdienst.

Das neue Geschäftsmodell in der Kritik

Trotzdem ist diese neue Art des Beschäftigungsverhältnisses prekär. Im Unterschied zu festangestellten Mitarbeitern, verdienen Flex-Fahrer nur, wenn die Auftragslage stimmt und zusätzliche Arbeit für sie anfällt. Zudem fallen für die selbstständigen Boten Kosten für Sprit, Kfz-Versicherung und Reparaturen an.  Die Fragen, wovon der Stundenlohn abhängt und ob Sozialleistungen enthalten sind, beantwortet Amazon auf der offiziellen Flex-Website bisher nicht.

Auch der Bundesverband für Paket und Express Logistik (BIEK) steht Amazon Flex kritisch gegenüber und bemängelt, dass das Vorgehen kontraproduktiv für das Berufsbild des Zustellers sei. Oberstes Ziel sollte sein, dass die Sendungen kundenfreundlich und serviceorientiert transportiert werden. Aus ökologischer Sicht geht das Zukunftsmodell von Amazon auch nicht auf – wurde in den vergangenen Jahren in umweltfreundliche Flotten investiert, so kann jetzt jeder mit seinem Privatfahrzeug aktiv werden.

Zeit Online befasst sich ebenfalls kritisch mit dem neuen Amazon Konzept. Der Artikel Flex und fertig wirft die Frage auf, ob Amazon Flex hierzulande nun Mitarbeiter in Mini-Unternehmen verwandeln will, die auf eigene Rechnung, aber auch auf eigenes Risiko arbeiten.

Und das Fazit?

Lässt sich bereits jetzt ein Fazit zur innovativen Auslagerung von Logistikdienstleistungen an Privatleute ziehen? Schafft der Online Handel durch das flexible Mitarbeitermodell einen Mehrwert, indem Bestellungen noch schneller ausgeliefert werden? Können Privatleute wirklich von dieser Art des Nebenverdienstes profitieren? Und was hat das für Konsequenzen für professionelle Kurierdienste und Logistikanbieter? Wir bleiben interessiert, was die Vielfalt der neuen Geschäftsmodelle angeht, aber skeptisch im Hinblick auf die weiteren Entwicklungen unserer sozialen Marktwirtschaft.

Offline, online oder beides? Regionaler Handel im Umbruch

Zum Vortrag „Erlebniswelt regionaler Handel – Querdenken über alle Sinne hinweg“

On the Fly

  • Die digitale Uhr tickt. Online und Offline sind kein „entweder oder“ mehr, sondern ein „sowohl als auch“. Der Kunde von heute wechselt selbstverständlich zwischen verschiedenen Medien, Plattformen und Endgeräten hin und her.
  • Die Möglichkeit, sich über Inhalte auszutauschen und sich interaktiv mit Themen, Angeboten und Geschichten auseinanderzusetzen, wird heute genauso vorausgesetzt wie der offene Dialog mit den Händlern.
  • Der Vortrag von Annika Leopold vermittelt kurz & prägnantes Praxiswissen zur direkten Umsetzung. Die Wirtschaftsförderung Bamberg lädt dich gemeinsam mit dem Stadtmarketing Bamberg und der Sparkasse Bamberg zu dieser Veranstaltung ein. Melde dich jetzt hier an und bringe deinen stationären Handel auf das nächste Level!

Local SEO, virtuelle Schaufenster, Online-Marktplätze und Social Commerce – in diesen Schlagwörtern liegt die Zukunft für den regionalen Handel. Die Zahlen und Fakten lassen daran keinen Zweifel. Dennoch bietet nur jeder dritte (!) Einzelhändler in Deutschland seine Waren auch im Internet zum Verkauf an. Noch immer existiert eine Wir-gegen-die-Mentalität, die den traditionellen Ladeninhaber gegen die Internet-Riesen Amazon und Ebay aufbringt. Dabei sind die Zeiten der Konkurrenz längst vorbei, die Online-Welt bietet Platz genug für alle. Die Devise für den zukunftsorientierten Einzelhändler heißt: Local Commerce, und damit das Beste aus beiden Welten.

Der moderne Kunde (und die Konsequenz daraus)

Selbstverständlich gibt es ihn noch, den guten alten Stadtbummel, bei dem die Schaufenster bestaunt und die Waren selbst getestet werden. Auch heute zieht es den Kunden noch ins Lieblingsgeschäft in der Innenstadt, der persönliche Kontakt zum Verkäufer hat nichts von seiner Wichtigkeit verloren. Stationärer Handel hat also weiterhin seinen Platz in der digitalisierten Welt.

Der moderne Kunde bereitet seinen Kauf jedoch gründlich vor. Beim ersten Impuls zückt er sein Smartphone und sucht für sein Wunschprodukt nach Preisvergleichen im Internet. Er tritt mit anderen Kunden in Kontakt, hört sich deren Empfehlungen an und liest ihre Bewertungen. Dank Local SEO weiß er sofort, wo er sein Produkt im Anschluss kaufen kann. Denn – das ist die gute Nachricht – noch immer kauft der Kunde am liebsten direkt vor Ort.

Die Konsequenz: Als Einzelhändler kannst du es dir nicht leisten, deinem Kunden die Möglichkeit zum Internet-Bummel zu nehmen. Die Anonymität und Unverbindlichkeit des Internets geben deinem Kunden Sicherheit, denn er kann sich in aller Ruhe über deine Produkte informieren. Wenn er deinen Laden betritt, ist er bereits auf den Kauf eingestimmt – vorausgesetzt, du hast ihm den Weg leicht gemacht.

Möglichkeiten der On- und Offlinevernetzung für den regionalen Handel

Stationärer Handel bietet persönliche Beratung, die Möglichkeit zum genauen Prüfen der Waren, einen direkten Draht zum Verkäufer. E-Commerce sorgt für einfache Preisvergleiche, einen schnellen Informationsfluss und den ständigen Austausch mit anderen Käufern. In der heutigen Zeit brauchst du dich nicht mehr zu entscheiden. Local Commerce macht dich für deinen Kunden jederzeit erreichbar und lässt dich immer in Kontakt bleiben. So machst du dir die Vorteile beider Welten zunutze.

Hier ein paar Tipps für die erfolgreiche Vernetzung beider Welten:

  1. Schaffe dir eine Web-Präsenz, die dein Kunde mühelos finden kann.
  2. Biete ihm virtuelle Schaufenster oder ziehe ihn mit einem Online-Spiel in die Welt deiner Produkte.
  3. Nutze Storytelling, um ihn emotional zu berühren und seine Sehnsucht zu wecken.
  4. Überzeuge ihn von den Qualität deiner Produkte, indem du mit positiven Bewertungen deiner anderen Kunden glänzt.
  5. Stelle zuletzt sicher, dass er dein Geschäft sofort findet, damit er vor Ort sein Wunschprodukt erwerben kann.

Zwischen stationärem Handel und Digitalisierung geht es längst nicht mehr um entweder – oder. Heute kannst du beides haben.

Best practices – die Läden der digitalen Generation

In der aktuellen Ausgabe (Nr. 51) des t3n-Magazin werden innovative Konzepte vorgestellt, die den smarten Mix aus On- und Offline gekonnt umgesetzt haben.

Das endlose Regal von Adidas
Seit 2016 gibt es im Adidas Flagshipstore in San Francisco das endlose Regal: von allen Produkten gibt es hier nur ein Exemplar in jeder Größe. Kauft der Kunde ein Produkt, wird es am nächsten Tag nach Hause geliefert. Die geschulten Mitarbeiter beraten dabei über Servicetablets und schließen die Bestellung für den Kunden ab. Außerdem werden die Schuhmodelle in digitalen Regalen in 3D präsentiert und Hintergrundinformationen über Material und Beschaffenheit geliefert. Der Kunde soll die Artikel digital erleben können. Die Vorteile für den Verkäufer liegen auf der Hand: niedrige Lagerkosten, zufriedene Kunden und dadurch höhere Umsätze. Einziges Problem: die Produkte können nicht direkt mit nach Hause genommen werden.

Der digitale Mini-Supermarkt von Auchan
In China sollen bis Ende 2018 unzählige Miniatur-Supermärkte in kleinen Ladenlokalen eröffnen. Der Kunde soll in direkter Nähe von seinem Wohnsitz mit Verbrauchsgütern versorgt werden. Gerade in innerstädtischen Wohngebieten ist die Ladenfläche oft begrenzt, daher ist der 18 Quadratmeter große Supermarkt, der einem Schiffscontainer ähnelt, eine innovative Lösung. Der Kunde kann die Tür zum Store mittels QR Code öffnen, scannt die Produkte im Laden selbstständig und bezahlt am Ende bargeldlos mittels Alipay oder Wechat Pay. Rund 500 Produkte des alltäglichen Bedarfs werden zum Kauf angeboten. Ein inspirierendes Konzept, das Online und Offline gekonnt verknüpft.

Keine Angst vor dem digitalen Sprung

Die Digitalwerkstatt unterstützt dich bei deinem Schritt in die Erlebniswelt regionaler Handel 4.0. Zwei Drittel aller Einzelhändler nutzen noch nicht das Potenzial, das im Local und Social Commerce liegt. Deine Entscheidung für die digitale Zukunft katapultiert dich automatisch in das obere Drittel des Einzelhandels!

Für einen sanften Einstieg in das Thema empfehlen wir dir den Vortrag Erlebniswelt regionaler Handel – Querdenken über alle Sinne hinweg.

In diesem Beitrag zur Vortragsreihe Qualitätsoffensive Handel erfährst du,

  • wie du Offline und Online erfolgreich verbindest,
  • wie du medien- und plattformübergreifend vermarktest,
  • wie du deine Kunden in neue Angebote einbindest.

Die Wirtschaftsförderung Bamberg lädt dich gemeinsam mit dem Stadtmarketing Bamberg und der Sparkasse Bamberg zu dieser Veranstaltung ein. Melde dich jetzt hier an und bringe deinen stationären Handel auf das nächste Level!

Annika Leopold | Die Digitalwerkstatt Forchheim

Annika Leopold

Digital Marketing Consultant

Annika berät und gestaltet branchenunabhängig seit über zehn Jahren zu den Schwerpunkten Service Design Thinking, (Online-)Marketing, Organisationsentwicklung und Projektmanagement. In der von ihr gegründeten Digitalwerkstatt hält und organisiert sie Erfolgswerkstätten, individuelle Workshops und inspirierende Netzwerktreffen für alle Digital-Interessierten zwischen 6-99 Jahren.

Vortrag: Erfolgreiches SEO: wer gefunden wird, verkauft!

Die Digitalwerkstatt ist im Rahmen der Nürnberger WebWeek mit einem Vortrag bei Projektin Drinks, Beats & Networking

Projektin bei der Nürnberger WebWeek (#nueww)

Gründer, Selbstständige und Unternehmer sind herzlich eingeladen zu Drinks, Beats & Networking. Spannende Impulsvorträge in entspannter Atmosphäre gibt es am Montag abend im PARKS Nürnberg.Sichert euch jetzt euer Ticket unter Projektin.Im Ticketpreis enthalten ist der Eintritt zur Veranstaltung, der Apéritif und Fingerfood.Vorträge:

SEO – erfolgreich gefunden werden
(Annika Leopold // Digitalwerkstatt Forchheim)

Wer gefunden wird, verkauft: Finde heraus, wie du dein digitales Spielfeld so gestaltest, dass dich nicht nur deine Wunschkunden finden, sondern auch Google oder andere relevanten Suchmaschinen. Anhand von knackigen Praxisbeispielen lernst du, welche Tools dich effektiv bei der Keyword-Recherche, Content-Planung und Erfolgsanalyse unterstützen. So kannst du dich zukünftig noch mehr auf dein Kernbusiness konzentrieren und kommst schneller und effizienter zum Ziel.Online und Offline sind kein „entweder oder“ mehr, sondern ein „sowohl als auch“. Das gilt vor allem für den stationären regionalen Handel, bei dem Digitalisierung mehr denn je einer der TOP 3 Tagesordnungspunkte sein sollte.

Social Videos – einfach mehr Reichweite
(Heike Stiegler // Heikes Stadtgeflüster)

Bewegte Beiträge – bring Leben in deinen Post: Die meiste Aufmerksamkeit erreichst Du mit Videos. Aber woher nehmen? Mit einfachen Mitteln und wenig Zeitaufwand kannst Du selbst Social-Videos erstellen. Der Vortrag zeigt dir einige Möglichkeiten und Tools, wie Du Deine Posts mit mehr Leben erfüllen kannst.

Wir freuen uns schon sehr auf einen tollen Abend!

Erlebniswelt regionaler Handel

Warum Digitalisierung im Einzelhandel kein „vielleicht“ oder „irgendwann mal in Zukunft“ mehr zulässt, sondern sofortiges geschlossenes Handeln im Sinne einer attraktiven Innenstadtpolitik erfordert.

On the Fly

  • Das Local Commerce Manifest betont die soziale und wirtschaftliche Bedeutung des stationären Innenstadthandels und bestärkt den Einzelhandel gleichzeitig, neue digitale Wege zu wagen, um der wachsenden Internet-Konkurrenz die kalte Schulter zu zeigen.
  • Regionale Händler müssen ein „Wir“-Gefühl entwickeln und Online- und Offline-Welt miteinander vernetzen
  • „Local Commerce“ ist ein Bewusstseinswandel und Veränderungsprozess für Stadtmarketing, Wirtschaftsförderer, Werbegemeinschaften und die Händler selbst. Sie müssen lernen, wie medien- und plattformübergreifendes Vermarkten funktioniert und bereit sein, Know-how, Zeit und Geld in einen Moderations- und Transformationsprozess zu investieren, um möglichst viele Gewerbetreibende eines Standortes in die neue Welt des Handels mitzunehmen, ohne zwischen Online und Offline zu polarisieren.
  • Städte und Kommunen sollten die Verantwortung für das gemeinschaftliche Handeln im Strukturwandel des stationären Einzelhandels in die Hand nehmen und nicht zuviel Zeit mit Warten auf zukunftsweisende innovative Lösungen zu vergeuden.
  • Last but not least: Machen statt reden. 🙂

Die digitale Uhr tickt.

Online und Offline sind kein „entweder oder“ mehr, sondern ein „sowohl als auch“. Das gilt vor allem für den stationären regionalen Handel, bei dem Digitalisierung mehr denn je einer der TOP 3 Tagesordnungspunkte sein sollte.

Drei Viertel aller deutschen Internetnutzer suchen lokal relevante Informationen über eine Online-Suchmaschine wie Google.

Dies machen sie meist mit dem Smartphone, weshalb die Devise „Mobile first!“ sehr ernst genommen werden sollte. Der Kunde von heute wechselt selbstverständlich zwischen verschiedenen Medien, Plattformen und Endgeräten hin und her. Die Möglichkeit, sich über Inhalte auszutauschen und sich interaktiv mit Themen, Angeboten und Geschichten auseinanderzusetzen, wird heute genauso vorausgesetzt wie der offene Dialog mit den Händlern.

Jeder vierte Nutzer kauft lokal und vor Ort – NACHDEM er sich online informiert hat. Als Händler gilt es endlich diese Chance zu nutzen und aus der teils vorhandenen Schockstarre in die Aktion zu kommen. Das Internet bzw. der Onlinehandel ist keine Konkurrenzplattform mehr gegenüber dem stationären Handel, sondern ein erweiterter Vertriebskanal und ergänzende Chance, sein Service- und Produktangebot einzigartig in Szene zu setzen und regional zu vermarkten.

LocalCommerce.info: Plattform zur fundierten Auseinandersetzung mit der Digitalisierung im regionalen Einzelhandel und stationären Handel

Der Wirtschaftsjournalist und Innovationsberater Andreas Haderlein hat Nägel mit Köpfen gemacht. Er ist Gründer der „Local Commerce Alliance“ und Chefredakteur von LocalCommerce.info, einer Informationsplattform zu digitalen Initiativen von Städten, Regionen oder Werbegemeinschaften in der D-A-CH-Region. Im Fokus stehen dabei insbesondere lokale Online-Marktplätze, deren Betreiber sowie Infrastrukturgeber.

Ziel ist eine fundierte Auseinandersetzung zu lokalen Online-Marktplätzen und online-lokalen Marketingmaßnahmen über Verbands- und Städtegrenzen hinaus. Die Local-Commerce-Plattform wurde im Dezember 2016 gelauncht und soll vor allem Entscheider in Interessengemeinschaften/Gewerbevereinen, Städten und Kommunen, insbesondere Wirtschaftsförderer, City-Manager und Stadtmarketing-Verantwortliche ansprechen, die den lokalen Handel mit einer digitalen Einzelhandelsförderungsmaßnahme unterstützen oder planen zu unterstützen.

Das Local Commerce Manifest

Haderlein veröffentlichte Anfang Mai 2017  zudem das 14 Thesen umfassende Local Commerce Manifest. Eindrucksvoll betont er hier die soziale und alltagskulturelle Bedeutung des stationären Innenstadthandels, weshalb ich das Manifest hier gerne teilen möchte.

Auch in einer kleinen, wirtschaftsstarken und modernen Stadt wie Forchheim sind Themen wie City-Management und Stadtmarketing sowie die Belebung der Innenstadt seit Jahren brandheiß und werden kontrovers diskutiert.

Nachfolgend erläutere ich anhand der 14 Thesen des Local Commerce Manifests, weshalb sich der (inhabergeführte) Einzelhandel unabhängig von Größe und Angebot auf keinen Fall ausruhen darf, sondern konsequent und professionell neue digitale Wege beschreiten muss, um Internetgrößen wie Amazon und Ebay Paroli zu bieten.

1. Innenstädte sind soziale Kraftwerke – und nicht nur volle Warenlager!

„Offline ist der neue Luxus“ – nicht nur in Sachen Arbeitsproduktivität. Die „Magie“ des persönlichen Kontakts, sich in der Stadt zufällig treffen und ein paar Worte wechseln,  durch die Stadt flanieren und in Läden mit Namen angesprochen zu werden mit einer persönlichen, individuellen Beratung – das ist ein Vorteil, der genutzt werden muss. Schafft der Einzelhändler zudem noch, sich online ebenso attraktiv darzustellen und auch hier seine Angebote zu personalisieren, werden ihm die Kunden auch weiterhin offene Türen einrennen.Denn:

2. Die zentrale Funktion des stationären Handels ist keine rein wirtschaftliche (Gewerbesteuern, Arbeitsplätze etc.), sondern sie ist zutiefst mit den sozialen und kulturellen Mustern des Zusammenlebens verknüpft. Der Einzelhandel ist Marktplatz, Bühne und ein identitätsstiftendes Puzzle des Stadtteils bzw. der Gemeinde bzw. der Stadt.

3. Das Internet ist Vorhof und quasi 1A-Bestlage für den stationären Handel. Aus diesem Grund fängt die  Aufenthaltsqualität schon deshalb im öffentlichen (sicheren) digitalen Raum an.

Wie schon eingangs erwähnt, dient das Internet vor allem als Informations- und Vergleichsmedium – häufig auch direkt in Verbindung mit einem Stadtbummel auf dem Smartphone. Umso wichtiger ist es, eine attraktive, regionale Präsenz auch im Internet zu bieten, damit mögliche Kunden oder Besucher darauf aufmerksam werden.

Deshalb:

4. Die Zielsetzung „online-lokaler Relevanz“ durch eine stärkere Sichtbarkeit lokaler Angebote im Internet ist der erste Schritt zur „digitalen Aufenthaltsqualität“.

5. Research Online – Purchase Offline: der Einkauf wird immer stärker online vorbereitet, aber stationär mit höchsten Ansprüchen an Service, Aufenthaltsqualität und Sortimentskompetenz abgeschlossen.

6. Lokale und regionale Konzepte zur Förderung des regionalen Einzelhandels brauchen einen strategischen Überbau wie z.B. „digitales Dachmarketing“ für den Standort.

7. Der lokale Online-Marktplatz wird den „Kampf“ um die lokale Kaufkraft gewinnen und damit wesentlicher Bestandteil des Marketing-Mix im Kontext des stationären Handels sein.

8. Technik ist immer „beherrschbar“. Dagegen verlangt die Facilitation des gesamten Veränderungsprozesses (Händler überzeugen, wachrütteln, ermutigen, auf einen Level bringen etc.) die größte Energie.

Wie so häufig ist die Technologie nicht das Problem. Hier kann man sich entweder Experten einkaufen oder nach und nach in zukunftsträchtige Konzepte wie z.B. Beacons investieren. Schwieriger ist es, die Veränderung in den Köpfen anzustossen und ein gemeinschaftliches, übergeordnetes Ziel durch gegenseitige Kooperation und Offenheit anzustreben.

9. Online-Handel ohne „wir“ wird künftig schwierig. Die Werbegemeinschaft muss sich neu erfinden: Nicht die Zugehörigkeit zu einem Straßenzug oder einem Stadtviertel ist der gemeinsame Nenner der Händler und Dienstleister einer Local-Commerce-Initiative, sondern der Wille zur Veränderungsbereitschaft.

Der Online-Handel hat dieselben Herausforderungen wie die freie Wirtschaft bei der digitalen Transformation und dem Wachsen in Richtung Industrie 4.0. Auch hier ist einer der Erfolgsfaktoren, sich gemeinsam mit anderen Anbietern, Lieferanten, Dienstleistern als offenes Ökosystem zu betrachten und voneinander zu profitieren.Was dabei natürlich nicht vergessen werden darf:

10. Der Kümmerer 2.0 ist kein Feierabend-Job. Dessen Finanzierung muss politisch gewollt und/oder von der Händlerschaft getragen sein.

11. Local Commerce schafft attraktive neue Berufsbilder im lokalen Gewerbe und Einzelhandel.

Zukünftig müssen die Berufsbilder noch viel mehr auf die verschiedenen Vertriebskanäle geschult und vorbereitet sein. Ein gutes Raumklima in einem Laden zu schaffen und das Sortiment attraktiv zu gestalten, gilt nicht nur für den Laden selber. Kompetenzen in Sachen Social Media, Suchmaschinenoptimierung, Nutzerdatenanalyse und vieles mehr sollten ein Teil des Ganzen werden und wie selbstverständlich mit einfliessen.

12. Nachhaltige City-Logistik ist ein integratives Instrumentarium für alle City-Akteure.

13. Wir brauchen den kooperativen Aufstand gegen Uniformität, Innenstadtverödung und Kaufkraftabwanderung in den reinen Online-Handel nicht-lokaler Anbieter.

Dies muss mitgetragen werden von Gewerbevereinen, Einzelhandelsverbänden, IHKs, City-Managern, Stadtmarketing-Organisationen, Wirtschaftsförderung, Lokalpolitik, Immobilienwirtschaft und – nicht zuletzt – vom Verbraucher selbst. Denn letzterer entscheidet mit seinem Konsumverhalten. Vielen ist noch nicht klar, dass eben dieses Konsumverhalten das Sägen des Astes bedeutet, auf dem man sitzt.

14. Aber: Zuerst die digitale Exzellenz, dann die Moral. Kaufkraftbindung mit dem erhobenen Zeigefinger wird kläglich scheitern.

Die Plattform LocalCommerce.info wurde in die Best-of-2017-Liste der Initiative Mittelstand aufgenommen. Derzeit werden über 75 digitale Initiativen in Städten und Regionen portraitiert, die mit einer lokalen Shopping-Plattform dem zunehmend online-getriebenen Besucher entgegenkommen wollen.

Die 14 Thesen des Local Commerce Manifest dienen dazu, die Debatte über digitale Lösungen für Standorte und inhabergeführte Geschäfte zu bereichern. Sie sind nicht in Stein gemeißelt, sondern können agil korrigiert oder erweitert werden.

Möglichkeiten zum Austausch und Diskussion darüber bietet z.B. die Facebook-Gruppe ‚Local Commerce Alliance‘.