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Wie funktioniert eigentlich Stimmtraining?
Stimmecoach Dr. Gerlinde Lamprecht im Gespräch mit der Digitalwerkstatt

StimmtrainingDie Stimme ideal trainieren!

Dr. Gerlinde Lamprecht ist selbstständige Sprech- und Stimmtrainerin mit langjähriger Erfahrung und bietet Workshops zur Entfaltung der Stimme an. Die Leidenschaft zum Auftreten und zur Sprache zeigt sie auch vor größerem Publikum bei Bühnenauftritten für Gesang und Theater. Neben den praktischen Erfahrungen im Sprech- und Stimmcoaching bringt Dr. Gerlinde Lamprecht auch Lehrerfahrung als Universitätsdozentin sowie Seminarleiterin für Stimmprävention mit.

Unsere Stimme ist ein charakteristisches Merkmal unserer Persönlichkeit und ist im Alltag als auch im Berufsleben das Kommunikationsmittel Nummer Eins. Doch was genau ist es, was eine Stimme aussagekräftig macht und dem Sprecher hilft, sich Gehör zu verschaffen? Ein interessantes Thema, dem ich gerne mit Dr. Gerlinde Lamprecht gemeinsam auf den Grund gehen würde.

Bevor der Workshop Erfolgsfaktor Stimme stattfindet, hatte ich die Gelegenheit, Gerlinde ein paar spannende Fragen zu stellen.

Gerlinde, wie genau kamst du zu dem Thema Stimmtraining?

Mein Weg war ja, dass ich mich zunächst mit dem Theater beschäftigt habe und auch in verschiedenen Bereichen dort gearbeitet habe. Dann kam ein Studium der Sprachheilpädagogik dazu. Schnell war mir klar, dass sich meine Liebe zum Sprechen, Singen, Auftreten in der Stimmtherapie und im Stimmtraining wiederfindet.

Darauf habe ich mich dann auch spezialisiert und arbeite überwiegend in diesem spannenden Bereich.

Als Schauspielerin und Sängerin ist die Stimme bei Bühnenauftritten unverzichtbar. Welche Rolle nimmt die Stimme im Arbeitsalltag ein?

Genau wie auf der Theaterbühne ist die Stimme Träger von allem was wir vermitteln wollen. Ich sehe da keinen Unterschied, außer dass die Künstler eine lange Schulung ihrer Stimme erfahren durften und genau wissen, was sie tun. Sie können so das ganze Potential ihrer Stimme in vielen Schattierungen nutzen.

Im Arbeitsalltag könnte das genauso sein, wenn man sich mehr damit beschäftigen würde. Vieles macht man ja instinktiv richtig, aber ich höre immer wieder „ich kann mich nicht durchsetzen“, „ich werde überhört“, „ich bin so schnell verunsichert“.

Und an diesen Stellen wäre mehr Wissen, wie die Stimme das unterstützen könnte und was das mit der ganzen Sprecherpersönlichkeit zu tun hat, sicherlich sehr hilfreich, wirkungsvoller im Arbeitsalltag aufzutreten.

Denn die Arbeit mit der Stimme und ihren Ausdrucksmöglichkeiten ist eng mit der eigenen Persönlichkeit verbunden. Und da gibt es immer wieder verblüffende Zusammenhänge zu entdecken.

 

Was macht deiner Meinung nach eine gute, souveräne und überzeugende Vortragsstimme aus?

Untersuchungen haben gezeigt, dass von Zuhören vor allem tieferer Stimmen das Attribut „überzeugend“ zugeschrieben wird.

Man kann aber jetzt nicht einfach sagen, nun, dann spreche ich eben tiefer. Das würde so nicht funktioniere, weil es eine ‚gemachte‘ Stimme ist. Das würde schnell als unglaubwürdig entlarvt werden.

Es geht dabei um die sogenannte Wohlfühlstimmlage. Das ist eine Lage, in der sich die Resonanzen der Stimme voll entfalten und einen klaren Klang hat. Damit kommt sie auch beim Zuhörer gut an, man hört ihr gerne zu und der Sprecher wird als kompetent und vertrauenswürdig wahrgenommen.

Nicht zu vergessen sind aber auch die lebendigen Betonungen. Mit dem Ausdruck meiner inneren Beteiligung an dem, was ich zu sagen habe, halte ich die Zuhörer bei der Stange und ziehe sie in meinen Bann.

 

Thema Stimmtraining: hast du Tipps, wie man der Stimme etwas Gutes tun kann?

Generell kann man sagen: alles was mir und meinem Körper gut tut, tut auch der Stimme gut. Also in Bewegung bleiben, Verspannungen reduzieren, fröhlich sein.

Dazu kommt ausreichend trinken und immer wieder mal wohlig seufzen und den Körper lockern, das entspannt die Stimme.

Dann gibt es natürlich noch viele speziellere Stimmübungen – da braucht man aber eine gute Anleitung, damit alles richtig gemacht wird.

Das gibt es dann im Workshop 😉

Frauen haben oftmals eine höhere Stimme als Männer. Wie wirkt sich das auf die Außenwahrnehmung aus?

Wenn Frauen in ihrer Wohlfühlstimmlage sprechen würden, dann würde das gar nicht so auffallen, dass es höhere Frequenzen sind (und der Abstand ist dann auch gar nicht so groß).

Viele Frauen sprechen leider in einer erhöhten Lage. Das hat oft etwas mit falsch verstandener ‚Freundlichkeit‘ zu tun.

Wenn sich dann unter Aufregung, Anspannung und Stress die Stimme noch mehr nach oben schraubt, klingt das in den Ohren der Zuhörer eher unangenehm. Sie folgen dem Inhalt nicht so gerne und die Zuschreibungen von „hysterisch“, „“Zicke, „was will die denn“ sind (vor)schnell gemacht. Dass das im beruflichen Umfeld nicht von Vorteil ist, liegt auf der Hand.

Lampenfieber bei Vorträgen kennen sicher viele von uns. Hast du einen Tipp, wie die Stimme dabei ruhig bleibt?

Weiteratmen. 🙂

Die Stresssituation in der das Lampenfieber entsteht, verschlägt uns im wahrsten Sinne des Wortes oft den Atem. Der Körper ist eher auf Flucht ausgerichtet und schaltet auf Notprogramm – der Atem wird flach und unruhig und entsprechend ‚flackert‘ die Stimme.

Deswegen ist stets mein erster Tipp für diese Situationen: immer, wenn im Vorfeld, das Lampenfieber aufkommt: ruhig und langsam ausatmen, das Einatmen kommt dann von ganz alleine. So kann man sich gut beruhigen und zentrieren.

Wenn der Vortrag erst mal läuft, ist das Lampenfieber auch schnell weg.

Neben der Sprache ist auch ein sicheres Auftreten von großer Bedeutung. Welche Rolle spielt Körpersprache im Joballtag?

Eine souverän wirkende Körpersprache ist für mich – genauso wie die Stimme – Ausdruck meiner inneren Souveränität. Damit vermittle ich meine Kompetenz, Zugewandtheit, Empathie, Klarheit, Offenheit …. je nachdem, in welchem beruflichen Umfeld ich mich befinde und was dafür erforderlich ist.

Das geschieht oft sehr subtil, aber all das zusammen macht es aus, ob z.B ein Kundenkontakt gelingt, ich meinen Vorgesetzten von meiner Idee überzeugen kann oder meine Präsentation die Kollegen zu Handlungen bewegen kann.

Die Stimme kann man trainieren – gilt das auch für die, oftmals unbewusst eingesetzte, Körpersprache?

Ja, unbedingt. Und zwar dadurch, dass man sich damit beschäftigt, d.h. auf eine bewusste Ebene bringt. Keinesfalls sind damit stereotype Anweisungen gemeint.

Vielmehr gewinnt man durch die Auseinandersetzung mit dem körperlichen Ausdruck ja auch Einsichten über sich, man entwickelt sich weiter. Das Selbst-Bewusstsein wird gesteigert, weil man sich eben besser kennt und das wird man dann auch in der Körpersprache zu Ausdruck bringen.

Und weil ein Stimmtraining immer auch ein gewisses Körpertraining beinhaltet, sehe ich es als ideale Möglichkeit, seine gesamte Ausstrahlung zu optimieren.

Was sind die Lernziele bei deinem Workshop?

Ich möchte, dass die Teilnehmer einen grundlegenden Einblick bekommen, was ein Stimmtraining ausmacht und auf was sie konkret in der nächsten Sprechsituation achten können.

Jeder Einzelne soll mit mindestens einem Aha-Erlebnis für die eigene Stimme nach Hause gehen – wenn dann die Lust geweckt wird, sich weiter damit zu beschäftigen, umso besser.

Eine letzte Frage zum Abschluss – Was müssen Teilnehmer zum Stimmtraining mitbringen?

Offenheit und Experimentierfreude.